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Ich denke. Ich fühle. Ich taste, sehe, höre, rieche, schmecke, spüre und empfinde. Ich erlebe all das, wenn ich mich wach und bewusst meinem Erleben widme. Es ist wahr, dass die Flamme in dem farbigen Teelichtglas vor mir brennt. Ich sehe sie, taste ihre Hitze, sie agiert in meinem sanften Pusten, ich rieche ihren Rauch, wenn sie erlischt. Es ist wahr, dass ich Gedanken habe. Mein Denken hat die Form von Worten, Sätzen, Bildern. Es ist wahr, dass immer wieder Gedanken in mir sind. Nicht wahr ist der Inhalt so mancher Gedanken.

Mein Fühlen steht neben dem Denken. Fühlen, Empfinden, Spüren ist kein Denken. Im inneren Einklang gehen Gefühle und Gedanken in mir liebevoll verbunden Hand in Hand durch die Höhen und Tiefen meines Daseins.

Erkennen ist mehr als Denken. Es ist das Wachsen neuer Zweige im eigenen Gedankenbaum.

Der Elefant an der Kette (Geschichten zum Vorlesen Nr. 2)

Jedes Jahr besuchte der Junge den Wanderzirkus. Vor allem erfreute er sich an dem riesigen Elefanten, der mit seinem Rüssel Baumstämme heben konnte und einen Schlitten voll Zuschauer durch den Sand der Manege zog.

Nach der Schule ging er oft zur Wiese des Zirkus, die an das weite Umland grenzte, und besuchte den Elefanten. Der stand stets still mit einer dicken Kette um den hinteren Fuß. Die Kette war an einem Holzpflock befestigt. Einmal hatte er nach der Vorstellung gesehen, dass der Pflock nur kurz war und kaum tief in den Boden geschlagen wurde. Jedes Mal verwunderte sich der Junge über den kleinen Pflock, der den großen, starken Elefanten hielt.

Der Gedanke ließ den Junge nicht los, warum der Elefant nicht einen Schritt tat und den Pflock aus dem Boden zog. Er fragte seine Eltern und seine Lehrer, doch die wussten keine Antwort oder sagten, dass er wohl die Bestrafung fürchtete. Doch der Junge ahnte, dass der Elefant nicht einmal von seinen Möglichkeiten wusste!

Eines Tages traf er einen weisen Mann. Der hörte der Geschichte des Jungen zu und sagte: «Der Elefant hat die Kette schon seit seiner frühsten Kindheit. Damals war der Pflock stark genug für den jungen Elefanten.» Der Junge stellte sich vor, wie der kleine Elefant Tag für Tag an der Kette gezerrt hatte und immer wieder vergebens neue Anläufe und Wege gesucht hatte, sich zu befreien. Bis er sich eines schrecklichen Tages in sein Schicksal gefügt hatte.

Fortan überlegte der Junge, wie sich der Elefant befreien könnte. Nach und nach fielen ihm vier Wege ein. Für den ersten brauchte es eine Elefantendame, in die sich der Elefant verliebte und auf die er zulief. Für den zweiten Weg brauchte es einen zweiten Elefanten, der ihm sagte, dass er gewachsen sei und der Pflock noch immer der alte ist. Für den dritten Weg musste der Elefant nur einmal an sich selbst herunterschauen und den Pflock sehen, ohne in seinem Denken zu urteilen. Auf alle diese Geschehnisse wollte der Junge jedoch nicht warten.

Der Elefant stand wie jeden Tag auf der Wiese und sah den ihm bekannten Jungen mit einem Gegenstand unter dem Arm, um den ein Tuch gewickelt war, auf ihn zukommen. Der Junge stellte das Etwas hinter ihm auf der Wiese ab, kam vor ihn, holte Heu und hielte es ihm entgegen. Er machte einen Schritt vor, bis er das Sperren der Kette an seinem Fuß tastete und stehenblieb. Der Junge legte das Heu vor ihm ab und ging um den Elefanten zum Gegenstand. Der Elefant drehte den Kopf zum Jungen und sah, wie er das Tuch aufdeckte. Unter diesem war eine Glasschüssel und in dieser bewegte sich eine Maus. Der Elefant erschrak mächtig und machte einen Satz nach vorn. Schnell legte der Junge das Tuch wieder über die Schüssel. Der Elefant stand mit pochendem Herzen und wusste nicht, wie ihm geschehen war. Er ging noch einige Schritte und blieb dann erneut stehen. Er blicke an sich herunter, sah den losen Pflock am Ende der Kette und mit einem Mal erkannte er, dass er gewachsen war und der Pflock noch immer der alte war.

Der Elefant blieb beim Zirkus. Auch die Kette blieb. Die Wärter bemerkten eine Wandlung in ihm und schon bald war er weithin als der ‹lächelnde Elefant› bekannt. Immer mehr Kinder kamen vor den Vorstellungen zu ihm, was den Elefanten sehr freute. Eines Tages brachte der Wärter eine Elefantendame in den Zirkus und der Elefant verliebte sich in sie. Mit lachendem und weinendem Herzen zugleich sah er ein Jahr später zu, wie ihr junger Nachwuchs an der Kette zerrte und den Pflock nicht aus dem Boden gezogen bekam.

[frei nacherzählt aus: Jorge Bucay: Wie der Elefant die Freiheit fand, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2010]

PS: ‹Erkennen› ist eines der Worte mit der Vorsilbe ‹er›, siehe auch Anmerkung ‹erleben›. ‹Erkennen› bedeutet im Ursprung: «IHN kennen» und damit: «das Leben selbst kennen».

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veröffentlicht am 6.4.2016, letzte Änderung am 19.2.2017 um 9:30 Uhr

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